Schimmel-Hol-Story
Als mein Mann diesen Schimmel erwarb, war mir von vornherein klar, daß dieses Pferd hoffnungslos verwöhnt und verzogen war. Der vorherige Besitzer hat ihn nur dann geritten, wenn der Schimmel gut gelaunt war, war es nicht sattelte er ihn wieder ab und stellte ihn wieder auf die Weide.
So kam dann der Tag an dem der Schimmel verladen werden sollte um zu uns in sein neues Heim zu gelangen.
Ein kleiner Menschenauflauf hatte sich eingefunden, um den Schimmel zu verabschieden und wie nicht anders gewöhnt, ließ der Schimmel seiner Unlust freien Lauf. Er ließ sich weder von seinem Besitzer noch von den angeblichen Helfern und Pferdekennern verladen. Aufgrund meiner Kenntnis des Besitzers hielt ich mich mit guten Ratschlägen bedeckt, da mit Sicherheit ein etwas energischeres Eingreifen meinerseits nicht gutgeheißen hätte.
Nach ca. einer Stunde und einem Helfer im Misthaufen (ich habe es ihm gegönnt) wurden die Versuche dieses ungebärdigen Schimmel zu verladen abgebrochen. Was nun?
Eigenwillig, wie ich schon damals war, wußte ich genau, sollte mein Mann dieses Pferd nicht bekommen, würde er auch kein anderes Pferd kaufen.
Also entschloß ich mich spontan diesen Schimmel zu uns nach Hause zu reiten.
Am folgenden Sonntag erschienen wir dann auch zur verabredeten Zeit am Stall.
Der Schimmel wurde gesattelt. Ich prüfte nochmals seine Hufe (er ging leider barfuß), stieg auf und machte mich auf den Weg.
Es waren ja schließlich nur ca. 35 Kilometer, die wir zurück zulegen hatten. Eine Karte hatte ich nicht. Aber darüber machte ich mir keine Sorgen, denn die mir bekannten Wege zuhause führten höchstens mal einen Kilometer durch einen Wald und dann sah man schon das nächste Dorf.
Doch hier war alles anders. Erst mußte ich das kleine Städtchen Waldbröl durchqueren und anschließend durch ein großes Waldgebiet "Nutscheid" genannt.
Ich hatte nicht damit gerechnet, daß dieser Wald so groß sein würde und es in diesem keinerlei Hinweisschilder oder Wanderwegweiser zu meinem nächsten Ziel dem Siegtalstädtchen Eitorf geben würde.
Doch glücklicherweise konnte ich mich auf meinen Orientierungssinn verlassen.
Von meinem Zielort Eitorf wich ich nur einen halben Kilometer ab.
Dort angekommen mußte ich feststellen, daß wir an fast alles gedacht hatten. Nur die Brücke über die Sieg, die hatten wir außer Acht gelassen. Vorsichtshalber stieg ich, an der Brücke angekommen, ab und führte den Schimmel glücklicherweise ohne größere Probleme hinüber.
Auch die Stadt selbst habe ich zu Fuß mit dem Schimmel am Zügel durchwandert, da wir doch etliche vielbefahrene Straßen kreuzen mußten. Erst in der Nähe des Ortsausganges suchte ich mir wieder eine Möglichkeit auf den hohen Rücken des Schimmels zu gelangen. Da kam mir die Kirchenmauer in den Blick, und ich nutzte diese direkt für mein Vorhaben.
Schließlich gelangten Pferd und Reiter hoffnungslos erschöpft nach einem Ritt von 6,5 Stunden durch größtenteils völlig unbekanntes Gelände ans Ziel.
Zuhause, endlich!