Pronto-Story

 Als er auf unserem Hof ankam, sah er eher aus wie ein Esel, den die Stuten mit denen er bisher als Zuchthengst in der Herde gestanden hatte, hatten ihm die Mähnen- und die Schweifhaare einfach abgefressen.

Für mich jedoch war er das schönste Pony auf der Welt.

Die ersten Reitversuche auf der eingezäunten Wiese gestalteten sich wie ein Rodeo in Wildwestfilmen. Auch nach zwei Wochen täglicher Versuche war keine Besserung in Sicht. Also nahm ich mir eines Tages ein Herz, holte ihn aus der Wiese und stieg auf. Plötzlich war mein "Männlein" wie verwandelt. Draußen im Gelände tat er fast genau das, was ich von ihm wollte. Nur eines durfte man nicht außer Acht lassen, denn schließlich war er immer noch Hengst.
Nahm er irgendwo die Witterung einer Stute auf, stieg er und schmiß sich mit mir auf dem Rücken auf die Seite. So seiner Reiterin enthoben, stob er los zu der Stute (manchmal auch 1,5 Kilometer entfernt). Dort konnte ich ihn dann wieder einsammeln und nachhause bringen.
Erst als mein Vater von dieser "Bösartigkeit" erfuhr, wurde das Ende von "Prontos" Dasein als Hengst beschlossen. Es dauerte trotzdem noch mehrere Jahre bis sich die Hengstmanieren auf ein Minimum reduzierten, schließlich war mein "Männlein" bei seiner Kastration bereits ungefähr 10 Jahre alt.

Ich genoß auf seinem Rücken viele schöne Stunden meiner unbeschwerten Kindheit.